Posts Tagged 'Zensur'

JMStV – Zeichen der Hilflosigkeit

Ich wollt ja lange nichts dazu schreiben, aber jetzt drängt es mich doch dazu.

Der umstrittene JMStV drängt mal wieder ins Bewusstsein der Internetgemeinde, diesmal hervorgerufen durch eine interessante Aktion des AK Zensur. Es mag sehr löblich erscheinen Kinder und junge Jugendliche zu schützen. Im reellen Leben erledigt dieses Aufgabe das Jugendschutzgesetzt. Doch seit geraumer Zeit drängt etwas ins öffentliche Bewusstsein dass gefährlich, groß und allumfassend erscheint. Das ältere Generationen (insbesonders Politiker) nicht verstehen, wovor sie Angst haben. Das Internet. Sie sehen darin nicht die unendlichen Möglichkeiten und Chancen die es hervorruft, sondern nur ein Medium in dem es alle Arten von illegalen Angeboten gibt. Sie wissen nicht, wie sie gegen diese Angebote vorgehen sollen. Deshalb sind Regulierungswünsche nur die logische Folge dieser Ängste. Und da auch immer mehr junge Bürger regelmäßigen Zugang zum Internet haben, entsteht auch immer stärker der Wunsch, diese vor den „schädlichen“ Angeboten zu schützen.

Doch auf die Idee dass das nicht nötig ist, dass Kinder überhaupt nicht ständig geschützt werden können und wollen, darauf kommt niemand. So zum Beispiel das Thema Altersfreigabe. Hierbei sollen Webseiten nach bestimmten Kriterien mit Alterssiegeln versehen werden, mithilfe denen die Eltern dann Filtersoftware entsprechend einstellen können. Das Problem dieses Vorschlages ist nicht nur, dass er praktisch nicht umsetzbar ist, da das Internet internationalen, globalen Charakter hat, viele Seiten es sich nicht leisten können ihren Kompletten Inhalt zu kennzeichnen (z.B. die deutsche Wikipedia mit über eine Millionen Einträgen) und von der Gesellschaft Seiten komplett anders eingestuft werden als es der JMStV tun würde (siehe verlinkte Aktion).  Das Problem ist aber auch, dass die Alterssiegel jeglicher Realität fernbleiben. Sollen Kinder nun keinen Zutritt mehr zum Zeitungsangebot in Tankstellen und Supermärkten bekommen weil dort sowohl „Erwachsenenhäftchen“ als auch Computerfachzeitschriften die sich mit Spielen ab 18 beschäftigen ausliegen? Sollen Kinder keinen Zutritt zu bestimmten bereichen in Bibliotheken bekommen weil der Erotik-Bücher und Biologiebücher über Sex o.ä. ausliegen? Wohin soll das führen? Müssen demnächst Nachrichten gekennzeichnet werden oder sich selbst Zensieren weil ja Kinder mitschauen könnten? Darf die Bildzeitung aufgrund des Bildgirls erst ab 18 erworben werden? Oder die „Bravo“ nur noch für Erwachsene?

Liebe Politiker, auch Kinder müssen lernen mit den Eindrücken die täglich auf sie einströmen zurecht zu kommen. Kinder schütz man nicht dadurch, indem man ihnen alles verbietet, sondern in dem man ihnen beibringt mit gewissen Themen richtig umzugehen. Verbotene Themen haben vor allem auf Kinder eine riesige Anziehungskraft. Vielleicht entsteht sogar durch den JMStV eine neue Hackerkultur unter den Heranwachsenden damit sie die Filter umgehen können. Nein, im Ernst, es sollte Aufgabe der Schule (und der Eltern) sein den Kindern beizubringen wie sie mit dem Internet umzugehen haben. Man könnte 2 Stunden pro Woche darauf verwenden, den Kindern Medienunterricht zu geben. Aber dieser Vorschlag passt nicht zu der Angst vor dem Internet. Und so wird aus Hilflosigkeit die harte Hand des Gesetzes gefordert wo stattdessen Umsicht und Erziehung von Nöten wäre. Aber sei’s drum, irgendwann werden auch unsere Politiker verstehen, dass man das Internet nicht kontrollieren kann. Und das ist gut so.